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Das Geheimnis des Erstgeborenen in der Endzeit

Das Geheimnis des Erstgeborenen


„Blut ist dicker als Wasser“, besagt ein deutsches Sprichwort.


Gott wird „wiederum“ einen Unterschied machen, so wie es der Prophet Maleachi, der letzte des Alten Testaments, verkündigte, d.h., Gott hatte zuvor einen Unterschied zwischen zwei Gruppen gemacht und an ihnen eine Trennung vollzogen; das Gleiche wird er noch ein zweites Mal durchführen. Der „Unterschied“ wird auch mit anderen Worten und weiteren Erzählungen in der Bibel angedeutet. Aus heutiger Sicht muss Gott auf einen „Riss“, der sich im Volk Gottes aufgetan hat und ein zweites Mal auftun wird, reagieren. Die Begriffe „Unterschied, Riss, Bruch, Trennung u.a.“ werden zudem als „Wechsel“ beschrieben, der sich als Folge des Risses unweigerlich vollziehen muss.

Meinem Verständnis nach wird uns der erste Wechsel im Neuen Testament durch den Jünger Johannes dargestellt und mit den Worten angedeutet: „der Jünger, welchen Jesus liebte“. Warum Jesus den Jünger Johannes besonders liebte, lag einfach daran, dass der Herr auf die Zuneigung dieses Jüngers freundlich reagierte. Schon im Anfang wollte Johannes immer ganz nah beim Herrn sein. Das sehen wir während einer Proklamation durch Johannes dem Täufer über Jesus. Der Jünger  Johannes handelt prompt und folgt aus eigenem Antrieb unaufgefordert seinem Herzen und damit dem Herrn. Jesus bemerkt ihn und einen zweiten Jünger, wie sie ihm folgen. Er wendet sich ihnen zu und fragt: Was (oder wen) sucht ihr?“ Sie antworten ihm mit einer tiefgründigen Gegenfrage: „Wo hältst du dich auf?“ Die Frage scheint dem Herrn zu gefallen, denn postwendend erhalten sie eine Einladung: „Kommt und seht!“ Johannes und Andreas nehmen die Einladung an und verweilen dann den Rest des Tages beim Rabbi; so nennen sie ihn bei ihrer ersten Begegnung.

Am Ende der 42 Monate währenden Jüngerschaft sind Johannes und Jesus unzertrennliche Freunde, dies wird beim letzten gemeinsamen Passah besonders deutlich. Johannes ruht während des Essens an der Schulter Jesu. Die intime und ehrbare Beziehung zwischen Johannes und Jesus wird auf Golgatha mit einem besonderen Stempel besiegelt. Mit der Autorität eines Vaters führt Jesus eine rechtsgültige Adoption durch. Als Erstgeborener nimmt er die Stellung seines Vaters Josef ein, weil dieser bereits gestorben war. Maria, die Mutter Jesu, wird zur Mutter des Johannes und Johannes wird zum Sohn der Maria, aber nicht nur das. Indirekt und versteckt wird uns erzählt, dass Johannes zum Bruder des Herrn wird und damit die  Stellung des Erstgeborenen einnimmt, auch deshalb nimmt er Maria unverzüglich zu sich und trägt Sorge für sie. Und noch etwas wird durch die Adoption rechtlich festgeklopft: Jesus, in der Stellung des Vaters, wird dem Johannes nicht nur zum Bruder, sondern eben auch zum Vater und Johannes wird zum Sohn Jesu. Das ist die Beziehung und Rechtsstellung Josephs zu Ephraim. Ephraim ist ein Sohn Josephs und wird durch die Adoption des Großvaters zum Bruder Josephs. Die logische Schlussfolgerung kann dann nur lauten: Ephraim bildet auf der allegorischen Ebene den Erstgeborenen der Christen, die in dem Himmel als solche eingeschrieben sind. Dieses Geheimnis führen wir jetzt weiter aus, denn selten wird im Neuen Testament direkt und offensichtlich von den Erstgeborenen gesprochen.

Wir fanden eine erhellende Schriftstelle, die kurz einen Lichtstrahl auf dieses Geheimnis wirft. Der Text deutet auf einen Unterschied, der zuvor auch uns nicht bekannt war. Erst durch viele Jahre des Studiums wird es uns zur Gewissheit. Paulus schreibt in Hebräer 12,22-23: „Ihr - die Hebräer - seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln eingeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten.“

Im vorgenannten Textabschnitt werden die Empfänger des Briefes deutlich unterschieden von der Versammlung der Erstgeborenen. Dem Kollektiv der Hebräer wird gesagt, dass sie zu dem Berg Zion gekommen sind, aber nicht nur das, sie sind auch zur Stadt des lebendigen Gottes gekommen. Und es muss betont werden, das Kommen soll ohne Furcht und Zittern erfolgen. Paulus ermuntert die Hebräer zu kommen und auf keinen Fall zurückzubleiben. Am Berg Sinai herrschten ehemals raue Sitten und scharfe Anweisungen. Dem Volk war es unter Androhung des Todes verboten, sich  dem Berg zu nähern. Welch ein Glück, zum Berg Zion aber und der Stadt Gottes sollen die Hebräer ohne Schrecken kommen. Mit Freude dürfen sie sich dem Berg Zion nahen, ja, mit sehr großer Freude, denn der Berg kommt zu ihnen und mit dem Berg das himmlische Jerusalem.
Das geschieht bei der Wiederkunft Jesu. Wer oder was ist der Berg? Es ist der Herr selbst. Daniel schreibt in Kapitel 2,35b über den Berg: „Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde.“  

Johannes, also der Jünger, welchen Jesus liebte, gehört zur Versammlung der Erstgeborenen und die Hebräer gehören, prophetisch gedeutet, zur Versammlung der Zweitgeborenen. Für heutige Christen kann dies zu dramatischen Wendungen führen. Jedem von uns, also den Christen, stellen sich existenzielle Fragen:

Gehöre ich zur Versammlung der Erstgeborenen?
Gehöre ich zur Versammlung der Zweitgeborenen?
Oder, was der Worst Case wäre: Bin ich überhaupt Christ?   

Jede Sache hat zwei Seiten, das gilt auch für Beziehungen. Der Jünger Johannes begehrte bei Jesus zu sein. Der Herr wies ihn nicht ab, sondern lud ihn freundlich zu sich ein. Von dieser Zeit an begehrte Johannes dauerhaft bei und mit Jesus zu leben und so begehrte der Herr auch ihn bei sich zu haben. Erstaunlich ist, dass dies bereits im Namen des Johannes zum Ausdruck kommt. Sein griechischer Name leitet sich vom hebräischen Namen Jochanan ab und bedeutet:

„Vom Herrn vorgezogen bzw. favorisiert.“
„Der Herr ist ein freundlicher Geber.“
„Der Herr hat begehrt.“

Mit diesen Bedeutungsvarianten kommt Gottes Souveränität unmissverständlich zum Ausdruck. Nun stellt sich dennoch nochmals die Frage: Warum hatte der Herr den Johannes vorgezogen und nicht den anderen Jünger, der ihm zu Anfang ebenfalls gefolgt ist. Eigentlich kennen wir die Antwort schon. Johannes hatte sich freundlich und offenherzig dem Herrn genähert. Von dieser Zeit an liebte er Jesus mehr und mehr. Als einziger Jünger folgte er seinem Herrn bei der Verhaftung, war zugegen bei den Verhören vor den Hohenpriestern und ging mit Jesus nach Golgatha. Das ist der wesentliche Grund  für den erlangten Vorzug. Nun, es gibt noch weitere Gründe, die wir im Namen Jochanan  entdecken können. Sein Name  setzt sich aus zwei Begriffen zusammen, der erste Teil laut Jo und leitet sich von Jahwe ab, welches wörtlich der Ewig-Seiende bedeutet. Im Deutschen wird Jahwe mit HERR übersetzt. Der zweite Begriff lautet chanan und bedeutet, und jetzt lasse ich das Wörterbuch sprechen:

H2603 חָנַן‭ ‬chanan‭ (‬chaw-nan‭') ‬Verb‭
1. (wörtlich) sich in Freundlichkeit zu einem Untergebenen beugen oder herablassen,
2. begünstigen, schenken, bevorzugen, verschenken,
3. (ursächlich) anflehen (d.h. durch Bitten zur Gunst bewegen).

Aus den Erzählungen der Evangelien erfahren wir, wie ernstlich Johannes den Herrn durch seine Bitten zu bewegen suchte. Davon lesen wir zum ersten Mal im Evangelium des Matthäus. Allerdings war es hier die Mutter, die sich für ihre Söhne stark machte. Im Evangelium des Markus tragen Johannes und  Jakobus ihre Bitte persönlich vor: „Lehrer, wir wollen, dass du uns tust, um was irgend wir dich bitten werden.“ Er aber sprach zu ihnen: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“ Sie aber sprachen zu ihm: „Gib uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in deiner Herrlichkeit.“

Das nenn ich Chuzpe und zwar vom Feinsten. Jakobus und Johannes, diese beiden, wollen neben dem Herrn sitzen und das auf ewig. Solch eine charmante Penetranz geht den anderen ZEHN gänzlich gegen den Strich. In dieser Sache werden sie unwillig, wörtlich werden sie „sehr bedrängt“, „entrüstet“ und „verärgert“, und das Ganze getragen von „Kummer“.

Prophetisch gedeutet wird in Kürze das eintreffen, um was die beiden Söhne gebeten haben. Jakobus wird zur Rechten und Johannes zur Linken sitzen. Die linke Seite ist bekanntlich die Herzseite, dort sitzt der Erstgeborene, der Jünger Johannes. Zur rechten Hand sitzt Jakobus, das ist die Seite des Zweitgeborenen. (Wer war der Zweitgeborene Rahels? Benjamin!  Sein Name wird übersetzt mit: Sohn meiner rechten Hand.) Auch die Rückäußerungen der ZEHN erfüllt sich von nun an vor unseren Augen, besonders vor unseren Ohren. Die ZEHN werden sehr bedrängt sein, sich jedoch gleichzeitig entrüsten. Sie wähnten sich auf der linken Seite, d.h. zu den Erstgeborenen. Manch einer der Zurückgebliebenen wird gar sehr „verärgert“ sein,  alle aber drohen in ihrem Kummer zu versinken. Merken wir auf, der Herr macht zweimal diesen Unterschied, so wie es der Prophet Maleachi vorhersagte und den Grund dafür kennen wir bereits.

Welch ein Glück, im Erkennen von Versäumten liegt auch die zweite Chance. Und so kann das Versäumte nachgeholt werden. Wem von Herzen daran liegt, kann Genaueres erforschen, auch im Propheten Maleachi.

Wir haben es gehört, Johannes will das Beste und dann auch noch alles, d.h., er begehrt den Herrn. Ungeachtet seiner fast maßlos anmutenden Wünsche ist und bleibt er ein fürsorglicher Apostel und das ganz besonders für jene, die zurückgeblieben sind. Und das er fürsorglich ist, lesen wir bereits im Alten Testament. Ja, Johannes wird bereits im Tanakh angedeutet, natürlich nicht so offensichtlich. Wie so oft kommt auch er verschleiert daher. Bevor wir uns die Erzählung ansehen, müssen wir uns noch kurz einige Dinge in Erinnerung rufen, damit wir unseren geliebten Johannes im Text des Propheten auch erkennen können.

Folgendes Wissen dürfte Allgemeingut sein. Als Christen werden wir in der Vollendung „Söhne Gottes“ genannt, heute sind wir, bildlich gesehen, noch Kinder. Des Weiteren bilden wir als Gesamtheit der Erstgeborenen, wenn wir solche sind, was ich hoffe und wünsche, „die Braut des Lammes“. Bereits diese beiden Aspekten zeigen uns, Gott sieht uns immer als Individuen,  gleichzeitig auch als Kollektiv.

Dinge, auch die uns weniger geläufig sind oder sogar neu, sollten wir uns aneignen, um mit ihnen vertraut zu werden. Wir kommen jetzt auf Neues oder auch weniger Bekanntes zu sprechen. Gott redet auf vielfältige und vielerlei Weise, so lautet es in Hebräer 1,1, dazu gehört auch, den gleichen Sachverhalt einmal durch einen Mann darzustellen und das andere mal durch eine Frau. Das Männliche steht mehr für das Individuum und das Weibliche betont das Kollektiv. Außerdem ergänzen sich ähnliche Geschichten und schließen Lücken. Ergänzungen liefern uns beide Teile der Bibel wechselseitig. Dieses Skript enthält dazu noch einige anschauliche Beispiele. In den folgenden Zeilen ergänzen wir die Geschichte des Johannes mit der Geschichte einer Frau des Alten Testaments und versuchen zu erkennen, welche Parallelen sich finden lassen und welche Puzzleteile uns ein etwas umfangreicheres Bild liefern. Die Frau, die wir gefunden haben, bildet die Gesamtheit der Erstgeborenen und wird durch Hannah dargestellt. Sie war die erste Frau des Elkana. Von ihr lesen wir in den ersten Kapiteln des ersten Buchs Samuels. Auch hier sehen wir uns die Bedeutung des Namens genauer an. Hannah lässt sich übersetzen mit:

H2584 חַנָּה‭ ‬Channah‭ (‬chan-naw‭')
1. Begünstigte;
2. Channah, ist eine Israelitin;
[abgeleitet von H2603]

Die Wortwurzel des Namens Hannah:
H2603 חָנַן‭ ‬chanan‭ (‬chaw-nan‭') ‬Verb‭
1. (wörtlich) sich in Freundlichkeit zu einem Untergebenen beugen oder herablassen,
2. begünstigen, schenken, bevorzugen, verschenken,
3. (ursächlich) anflehen (d.h. durch Bitten zur Gunst bewegen).

Die Wortwurzel des Namens Hannah ist dieselbe, wie die des Namens Johannes. Gleichwie beim Jünger wird die Geschichte Hannahs durch ihren Namen vorgezeichnet. Elkana, der Mann Hannahs, „beugt sich freundlich und liebevoll“ zur ihr und begünstigt sie gegenüber allen anderen, sowohl gegenüber der zweiten Frau als auch gegenüber deren Kinder. Elkana schenkt ihr (alle Jahre wieder) ein doppeltes Teil. Doch Hannah will mehr, sie will Kinder und so fleht sie in Silo unter Tränen zum Herrn. Und dann geschieht das Wunderbare, Hannah bringt den größten Richter der Geschichte Israels zur Welt. Er wird nicht nur Richter sein, eine Bezeichnung für ungekrönte Herrscher Israels, er wird auch Priester und Prophet Gottes.

Versteckte Parallelen zwischen Hannah und Johannes finden wir in den Fragen des Elkana. Zuerst möchte er wissen: „Warum weinst du?“ Dann fragt er: „Warum isst du nicht?“ Die dritte Frage: „Warum ist dein Herz betrübt?“ Und in der letzten Frage leuchtet blitzartig die Parallele zu Johannes Geschichte auf: „Bin ich dir nicht besser als zehn Söhne?“ Wir werden in der weiteren Erzählung vergeblich nach den Antworten Hannahs suchen. Bis heute hat sie die Fragen ihres Mannes nicht beantwortet, noch nicht. Eines ist sicher, Elkanas Fragen verhallen nicht ins Leere. Mit dem Neuen Testament und dann spätestens rechtzeitig finden alle offenen Fragen ihre abschließenden Antworten. - In der Endzeit -

Jetzt sehen wir uns die Antworten an, die uns im Neuen Testament gegeben werden.
  • Elkana fragt Hannah: „Warum weinst du?“ Dem Johannes wird gesagt: „Weine nicht“ Off.5.5
  • Elkana fragt Hannah: „Warum isst du nicht? Dem Johannes wird gesagt: „Nimm es, und iß es auf“ Off. 10,9.
  • Elkana fragt Hannah: „Warum ist dein Herz betrübt?“ Johannes: Ich Johannes, war um JESU UND  UM DES WORTES WILLEN auf Patmos Off.1.9
  • Elkana fragt Hannah: „Bin ich dir nicht besser als ZEHN Söhne“. Dem Johannes wird der Auftrag erteilt sich um diese zu kümmern und ihnen Briefe zu schreiben, Johannes schreibt 10 Briefe. Die sieben Sendschreiben und die drei Lehrbriefe.

Bevor wir uns mit weiteren Antworten auf Elkanas Fragen beschäftigen, erscheint es für das Verständnis der Ausführungen nützlich, auf zwei grundlegende Aspekte menschlicher Beziehungen einzugehen. Das folgende Beispiel könnte auch umgekehrt erzählt werden. Nun, stellen wir uns vor, die Frau eines Mannes ist in inneren Nöten, aber sie spricht nicht darüber. Ihr Mann, mit dem sie seit vielen Jahren verheiratet ist, weiß sofort, wo ihr der Schuh drückt. Weil ihr es aber die Sprache verschlagen hat, formuliert er die Sorgen in Form von Fragen und verleiht auf diese Weise ihrem Kummer die passenden Worte. An ihrer nonverbalen Reaktion erkennt der Mann, dass er seine Frau richtig verstanden hat.

In genau derselben Lage findet Elkana seine Frau vor. Sie wird von Peninna, ihrer Widersacherin, beständig drangsaliert und gedemütigt, erzählt ihrem Mann aber nichts davon. Elkana weiß von ihrer Bedrängnis schon lange. Aber wann und vor allem wie soll er das Thema ansprechen, wo doch Hannah selbst über die ihr zugefügten Demütigungen schweigt? Wie lässt sich erklären, dass Hannah ihrem Mann nichts davon erzählt? Kein Wort verliert sie über Peninnas Hässlichkeiten und auch in den Schriften finden wir keine Andeutungen. Und dennoch ist es möglich, der Sache auf den Grund zu gehen, denn es gibt ein Motiv, das für uns nur noch nicht ersichtlich ist und zu diesen innersten Beweggründen kommen wir jetzt.

Trotz aller Demütigungen von Seiten der Kontrahentin liebt Hannah ihre Widersacherin. Hannahs Liebe kann und das ohne Schwierigkeiten, in dem Liebesgebot des Neuen Testaments gefunden werden. So weit müssen wir aber nicht gehen, denn schon in der vierten und letzten Frage Elkanas schimmert Hannahs Liebe zu Pininna durch: „Bin ich dir nicht besser als 10 Söhne?“ fragt Elkana. Na klar, Hannah liebt ihren Mann über alles und das weiß Elkana. Seine Frage spielt vielmehr auf die Beziehung Hannahs zu Pininna und ihre Kinder an. Hannah hat auch die vierte Frage ihres Mannes durchaus verstanden, doch wann wird sie ihm antworten können?  

Und jetzt wird es ein klein wenig kompliziert. Wenn Elkana 10 Söhne nennt, dann deuten sie auf DIE ZEHN im Markusevangelium, Kapitel 10,41, ebenfalls verärgert und missmutig waren und von Kummer bedrückt wurden. Diese ZEHN deuten auf die Adressaten des Hebräerbriefs, die sich genau in gleichen emotionalen Gefühlsverfassung befinden wie DIE ZEHN und wie Hannah.
Das die Geschichten Hannahs, DER ZEHN und der Hebräer zusammengehören, wird durch die Reaktion der ZEHN auf die Fragen Elkanas ersichtlich. Nochmals kurz zur Erinnerung: Die ZEHN wurden „unwillig“, d.h. sie wurden „sehr bedrängt, entrüstet, verärgert und mit Kummer erfüllt,    über die Bitte von Jakobus und Johannes, den Söhnen des Geschenks, (griech.: Zebedäus).    

„Warum weinst du?“ Weil ich „sehr bedrängt“ werde. Und: „Warum isst du nicht?“ Ich mag und kann nichts essen wegen des „Kummers“, der über mich gekommen ist. Und: „Warum ist dein Herz betrübt?“ Weil ich „entrüstet“ und „verärgert“ bin, über das, was mich betroffen hat. Und zum Schluß die Frage: „Bin ich dir nicht besser als 10 Söhne?“ Elkana deckt mit seiner letzten Frage die innersten Beweggründe auf. DIE ZEHN, das sind die Hebräer, haben nicht auf die Ermahnungen geachtet, haben den Herrn nicht von allen Seiten in seinem Wort betrachtet, sondern sind den Überlieferungen nachgehangen. Anders ist es bei Hannah. Ihre Liebe gehört dem Herrn, aber auch den zurückgebliebenen. Deren Leid ist auch Ihr Leid. Der Kummer DER ZEHN ist auch ihr Kummer.  
Es berührt einem tief, wenn man entdeckt, wie ähnlich Hannah ihrem Mann geworden ist, der einst vom Himmel her dem Paulus zurief: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Prophetisch wird sich Hannah im Himmel um DIE ZEHN sorgen wie einst der Herr sich um die erste Gemeinde des ersten Jahrhunderts sorgte. Die Fragen Elkanas werden dann von Hannah mutig beantwortet, sie wird nicht mehr schweigen, sondern ihr Herz bei Jesus ausschütten. Die Einzelheiten zu diesen Dingen sind vor vielen Jahrhunderten niedergeschrieben worden in einer faszinierenden und einzigartigen „Gute-Nacht-Geschichte“. Und das diese Geschichte jener Nacht für die Bedrängten gut ausgeht, lesen wir im Buch von Esther. Ihr Stern wird leuchten, bis die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht, mit Heilung in ihren Flügeln.

(Und wer genau die Hebräer sind, wird im Skript, Einführung in den Hebräerbrief, beschrieben.
https://simson-project.com/einfuehrung-in-den-hebraeerbrief.html)
         
Wir haben ein wenig den weiblichen Aspekt der Erstgeborenen betrachtet. Jetzt kehren wir zum männlichen Aspekt zurück, die wir in der Geschichte des Johannes entdecken können.

Kein anderer Apostel beschreibt die Beziehungen zwischen dem Herrn und der Familie Gottes auf so intime und klare Weise wie dieser Jünger. In seinem Evangelium erzählt er nicht nur vom Sohn Gottes, sondern offenbart durch seine Schilderung auch den Vater und damit die perfekt gelebte Beziehung zu ihm. Jesus selbst erläutert das seinen Zuhörern mit dem Hinweis: „Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig und ich, was ich von ihm gehört habe, das rede ich  zu der Welt.“ Jesus war im ständigen Dialog mit dem Vater und dadurch offenbarte er ihn. Das ist übrigens das Werk, das ihm der Vater aufgetragen hatte. (Joh.17) Die Offenbarung des Vaters konnte nur durch eine sichtbar gelebte Beziehung zu ihm erfolgen. Auf diese Weise wurde Jesus für den Jünger Johannes hautnah zum strahlenden Vorbild einer Vaterfigur; und weil Johannes darin geübt wurde, konnte er dies auch als Apostel in seinen drei Briefen als weiser und väterlicher Seelsorger anwenden.

Wichtige Zwischenbemerkung: Johannes nannte sich niemals Vater. Das wird für die Endzeit noch von besonderer Bedeutung werden.

In seinem ersten Brief schreibt Johannes an drei Generationen, an Väter, Kinder und Kindlein, um uns zu zeigen, welche Kennzeichen er im Wachstum der drei Altersgruppen sieht. Beispiel: Ich schreibe euch Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang ist. Das Erkennen deutet darauf, dass sich die Väter intensiv mit dem Wort Gottes beschäftigt haben und dadurch immer mehr Details über Jesus entdeckten.

Anschließend wendet sich Johannes an die jungen Erwachsenen: „Ich schreibe euch Jünglinge, weil ihr den Bösen überwunden habt.“ Die Überwindung des Bösen ist bereits geschehen. Der Böse deutet auf eine einzelne Person, denn der Ausdruck – der Bösen - steht im Singular;  und das die Jünglinge ihn auch tatsächlich „überwunden haben“ steht im Perfekt, eine griechische Zeitform die ausdrückt, dass das Ereignis in der Vergangenheit stattgefunden hat und bis in die Gegenwart fortdauert und zudem gültig ist.  

Dann wendet sich Johannes an die Kindlein, den Jüngsten der Familie: „Ich schreibe euch, Kindlein, weil ihr den Vater erkannt habt.“ „Den Vater erkennen“ spricht meiner Ansicht nach von einer neuen Lebensphase des Kindes. Einerseits löst es sich in dieser Zeit mehr und mehr von der Mutter, andererseits wendet es sich verstärkt dem Vater zu, der von da an die entscheidende Rolle im Leben  des Kindes spielen wird. Im natürlichen Leben beginnt diese Veränderung in etwa bei einem Alter von 2 bis 3 Jahren. In diesem Alter ist es vollständig entwöhnt und benötigt keine Muttermilch mehr.  

Im zweiten Brief schreibt Johannes als Ältester „der auserwählten“ Frau und ihren Kindern, die er in der Wahrheit liebt. Eigentlich sollte heute nicht mehr mit Frau übersetzt werden, treffender ist der Begriff Herrin. Wie sollte einer Leser ansonsten erkennen, dass der Text auf Sarah deutet? Hören wir, was der Engel des Herrn zu Hagar sagte: „Kehre zurück zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hände.“ Hagar gehorchte und kehrte zur ihrer Herrin zurück.

Die Kinder der Herrin werden im Griechischen mit Teknia (Singular: Teknion) bezeichnet. Die Wortwurzel erklärt uns, was wir tagein tagaus von einem Teknion zu hören und zu sehen bekommen: Ständig sucht es sich zu rechtfertigen, wenn man es zur Rede stellt. Von Fall zu Fall muss dann geprüft werden, ob gelobt oder gestraft werden muss. Interessant ist, dass Johannes in seinem ersten Brief die Väter, Jünglinge und Kindlein, wenn er sie als Kollektiv anspricht, sie mit dem Wort Teknia anredet. Hierzu ein Beispiel aus 1.Joh.2,1: Meine Kinder – Teknia – ich schreibe euch, … Das Erstaunliche ist, das Kollektiv aus dem ersten Brief des Johannes, also die Väter, Jünglinge und Kindlein, sind die Kinder (Teknia) der Herrin aus dem zweiten Johannesbrief.

Den dritten Brief schreibt Johannes an den geliebten Gajus; sein Name, wer hätt's gedacht, bedeutet Herr. Johannes freut sich, dass die Kinder in der Wahrheit wandeln. Bezeichnender Weise nennt Johannes auch hier die Kinder - Teknia – ja, mehr noch, er bezeichnet sie, wie im ersten Brief, als „meine Kinder“ und nicht nur die Brüder, von denen Johannes spricht, auch den Empfänger Gajus, dessen Name Herr bedeutet, bezeichnet er als sein Kind, wenn er schreibt: „Ich habe keine größere Freude als dies, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ Der Vers nimmt Bezug auf das Lob, das er dem Gajus einen Vers zuvor ausspricht, nicht, weil er an der Wahrheit festhält, das behaupten viele, sondern, weil er darin wandelt.

Wenn Johannes sowohl in seinem ersten Brief als auch im dritten „meine Kinder“ sagt, dann bedeutet es, dass Johannes bildlich die Mutter darstellt. Der Heilige Geist und die Braut rufen während der Endzeit mit einer Stimme: Komm! Offenbarung 22,17 Das Johannes sich nicht Vater nennt, weil unser Herr der Vater ist, wird für die Endzeit, in der wir leben, von außerordentlicher Bedeutung. Jetzt kommen wir zum Begriff Vater. Wir finden in den Briefen des Johannes nicht einen Vers, in dem er sich selbst Vater nennt und doch spricht er die Empfänger als „meine Kinder“ an. Der ANdere Tut dIes aber doch. Er nennt sich ungerechtfertigter Weise Vater und genau vor diesem selbsternannten Vater warnt der Apostel Johannes und zwar als Ältester. Mit seinem hohen Alter und seiner großen Autorität warnt er eindringlich vor dem anderen.
 
Der sprachliche Ausdruck, „meine Kinder“, deutet zudem auf jene Zeit, jetzt schauen wir ins Alte Testament zurück, in der Sarah kinderlos war und ihr Hagar, gemäß der damaligen rechtsgültigen Sitte, auf den Schoß einen Sohn zur Welt brachte. Ismael ist, juristisch betrachtet, Sarahs Sohn. Und so kommt es, dass Ismael zwei Mütter hat, eine leibliche und eine rechtliche.

Sehen wir uns dazu einen Abschnitt aus Galater 4 an. Paulus erklärt in diesem Kapitel den Galatern, dass der Bund mit Sarah und Hagar einen bildlichen Sinn hat, d.h., die Geschichten sind Allegorien und müssen, so wie es auch Paulus tut, allegorisch gedeutet werden. Sarah steht bildlich für das Jerusalem im Himmel und Hagar für die irdische Stadt. Nun erklärt Paulus den Galatern, Vers 31, dass „wir nicht Kinder – Teknai – der Magd sind, sondern (Kinder) der Freien. Nun hatte Sarah nur einen Sohn, den Isaak. Der steht, und jetzt führen wir die allegorische Ebene weiter, für unseren Herrn Jesus. Wenn, allegorisch betrachtet, Jesus durch Isaak bildlich dargestellt wird, dann muss Abraham Gott den Vater darstellen. Und so war es dann auch, Gott der Vater ist es, der das Opfer auf Golgatha darbrachte. Isaak bildet aber auch uns ab. Dazu schreibt Paulus: Ihr aber Brüder, seid gleichwie Isaak, Kinder der Verheißung.

Bevor wir weitere Details erzählen, kurz zu der Erzählweise Gottes. Sie verläuft kreisförmig aufsteigend, gleich wie bei einem spiralartigen Trichter. Der kleinere Kreis befindet sich am unteren Ende und der letzte große Kreis der Spirale am oberen Ende. Von der Seite aus betrachtet, verjüngen sich die Kreise nach unten hin.  
Die Erzählung Abrahams und Sarahs bilden die Grundlage, dargestellt durch den untersten ersten Kreis mit dem kleinsten Umfang. Für die allegorische Ebene bedeutet das, es wird zwar weniger erzählt, dafür aber Grundlegendes anschaulich dargestellt. Die gleiche Erzählform müssen wir für die Geschichte Abrahams mit der Hagars vornehmen, um das irdische Jerusalem, das noch in Knechtschaft ist, richtig zu deuten.

Jetzt sehen wir uns die Geschichte der anderen Kinder Sarahs an, die Nachkommen der zweiten Generation, auch Enkel genannt, bilden die Zwillingsbrüder Esau und Jakob. Die Erzählungen Isaaks und der Geburt der beiden Söhne bilden auf der aufsteigenden Spirale den zweiten Kreis mit einem größeren Umfang, d.h., ihre Geschichten sind umfangreicher und liefern uns einen erweiterten Einblick in die Prophetie.

Wie schon gesagt, Esau und Jakob sind Zwillinge, wobei der Erstgenannte der Ältere ist. Als Erstgeborener besaß Esau von Natur aus ein doppeltes Erbteil. Was das bedeutet, werden wir noch sehen. Als Esau eines Tages von der Jagd atemlos und verschmachtet nach Hause kommt, wünscht er sich von seinem Bruder das Linsengericht. Jakob liefert nicht umsonst, sondern fordert einen hohen Preis: Linsen gegen Erstgeburtsrecht. Esau stimmt dem Handel zu und besiegelt mit seinem Eid das Rechtsgeschäft. Esau bekommt das Linsengericht mit Brot, damit erkauft sich  Jakob die Rechte des Erstgeborenen.

Normalerweise kann jeder mit seinem Eigentum und seinen Rechten tun was er will. Die Motive, gleich welcher Art,  bleiben bei Rechtsgeschäften unbedeutend. Doch für Gott sind die Beweggründe wichtig und in Sachen Erstgeburt sogar ausschlaggebend. Der Text aus 1.Mose 25 offenbart uns die Gesinnung Esaus: So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht. Mit seinem Einkauf macht Esau deutlich, was ihm das Erstgeburtsrecht wert ist und zwar nichts. Mit der Verachtung des Erstgeburtsrechts verachtete Esau aber auch seinen Vater, ja mehr noch, er verachtete Gott, von dem  das Recht des Erstgeborenen festgelegt wurde. Im Umkehrschluss stellen wir fest, Jakob sehnte sich nach dem Erstgeburtsrecht und folglich muss er seinen Vater auch geliebt haben. Und wer Vater und Mutter ehrt, der ehrt auch Gott, dieser Zusammenhang wird im Skript/Buch, die Torah des Messias, eingehend behandelt. https://simson-project.com/tora-des-messias.html

Einige Jahre später, Isaaks Sehkraft hatte sich zunehmend verschlechtert, ruft er seinen Ältesten, um ihn zu segnen. Während Esau auf der Jagd ist, betrügt Jakob den Vater, indem er sich für Esau ausgibt. Eigentlich hätte Jakob das gar nicht nötig gehabt, war er doch im Besitz des Erstgeburtsrechts. Nun denn, Jakob verkleidet sich, geht ins Zelt des Vaters und behauptet: Ich bin Esau. Der fast blinde Vater durchschaut die Sache nicht und segnet Jakob. Jetzt, mit dem Segen sicher in der Tasche, verlässt Jakob das Zelt und reist kurze Zeit später auf Empfehlung seiner Mutter und mit einem weiteren Segen des Vaters aus Sicherheitsgründen zum Onkel nach Haran (bzw. zum Haus seines Großonkels Bethuel nach Paddan-Aram), denn Esau will sich an ihm rächen. Und so kommt es, wie es kommen musste, der Erstgeburtssegen führt zur Entzweiung der Zwillinge. Der Großonkel Bethuel, zu dem Jakob fliehen soll, trägt in seinem Namen, in der untersten Wurzel, genau diesen Gedanken des Trennens. Das Geheimnis wird sich heilsgeschichtlich, dargestellt durch zwei Frauen, am Ende der Tage enthüllen und erfüllen.

Nun gelangen wir bei unserem Aufstieg auf unserer spiralförmigen Erzählleiter in den dritten Kreis.  Hier finden die Trennung, genauer gesagt, die Entzweiung der Brüder statt. Der Riss zwischen Esau und Jakob deutet prophetisch u.a. auf eine Trennung innerhalb des Christentums. Die dazugehörige Parallelerzählung entdeckten wir in den Beschreibungen der Frauen Jakobs.

Lea wird die erste Frau Jakobs, zwangsweise, weil sie, wie ihr Vater später erklärte, die Ältere ist. Rahel, die zweite Frau, ist Jakobs große Liebe. Er darf sie jedoch erst nach einer Wartezeit von sieben Tagen heiraten, aber auch nur dann, wenn er sich bereiterklärt, weitere sieben Jahre für den Schwiegervater zu arbeiten. Aus Liebe zu Rahel willigt Jakob in den Knebelvertrag ein.

Die irdische Braut, die Braut der Nacht, wird durch Lea repräsentiert; siehe Matthäus 25. Sie wird vor allem aus den Zurückgebliebenen gebildet, d.h., sie setzt sich zusammen aus jenen Christen, die nicht an der Entrückung teilgenommen haben. Warum werden nicht alle entrückt? Um es kurz und salopp auszudrücken: Die eine Gruppe bildet die anhängliche Rahel ab, die andere Gruppe wird durch die kränkliche und schlecht sehende Lea dargestellt. Weil Lea die Ältere ist, wird sie zuerst verheiratet und zwar in der Nacht der Drangsal. Nach Matthäus wird die Hochzeit um Mitternacht geschehen, zu diesem Zeitpunkt wird die Braut dem Bräutigam zugeführt. Angedeutet wird diese Zuführung durch Laban, der seine ältere Tochter während der nächtlichen Dunkelheit ins Zelt Jakobs bringt.

Die Details über die prophetische Bedeutung der beiden Frauen Jakobs, einschließlich ihrer Mägde, werden unter der Überschrift, „Die vier Frauen Jakobs“, im folgenden Skript eingehender beschrieben: https://simson-project.com/einfuehrung-in-den-hebraeerbrief.html  

Nochmals zur Erinnerung: Die Beschreibungen der Frauen beziehen sich schwerpunktmäßig auf den kollektiven Aspekt der Gläubigen und die Beschreibungen der Söhne Isaaks betonen mehr die Stellung der Sohnschaft und die daraus resultierende persönliche Verantwortung. Im Vergleich - Lea mit Esau - werden wir jetzt den Ähnlichkeiten nachgehen, denn es lassen sich zwischen den beiden einige Parallelen finden.

Lea hat schlechte Augen und kränkelt immer wieder, auch ist sie der Meinung, Jakob würde sie wegen ihrer Unzulänglichkeiten hassen. Von Esau wissen wir, dass er die Rechte des Erstgeborenen nicht sehen wollte, geschweige denn, auch verstanden hat. Auch er fühlt sich müde und matt. Atemlos von der Jagd zurückgekehrt, betritt er das Zelts Jakobs. Die auffälligste Parallele zwischen Esau und Lea führt in Maleachi zu einem Disput, denn dort sagt Gott: Esau aber habe ich gehasst. Maleachi 1,3.

Nun bedeutet hassen unter anderem auch: weniger lieben. Nachdem Esau erkannte, was er mit dem Verlust des Segens des Erstgeborenen verloren hatte, flehte er seinen Vater an, auch ihn zu segnen. Für den Segen des Erstgeborenen, da konnte er noch so viel weinen, war es zu spät, kein Raum, heißt es im Hebräerbrief. Und doch segnete Isaak, weil er ihn lieb hatte, mit den Worten, 1.Mose 27,39: „Siehe, du sollst wohnen in der Fülle der Erde und vom Tau des Himmels von oben.“ Nur Luther von 1545 und die King James von 1611 haben den Text wortgetreu übersetzt. Und das richtig übersetzt wurde, wird im Hebräerbrief bestätigt, dort heißt es: Durch Glauben segnete Isaak, in Bezug auf zukünftige Dinge, den Jakob und den Esau. Hebräer 11,20

An dieser Stelle sehen wir uns den Vers aus Hebräer 12,17 genauer an, weil er allzu oft missbräuchlich verwendet wird, um Esau den Segen abzusprechen. Vers 17: „Denn ihr wisst, dass er (Esau) auch nachher, als er den Segen ererben wollte (den Segen des Erstgeborenen), verworfen wurde (denn er fand keinen Raum für die Buße) obgleich er ihn mit Tränen eifrig suchte.“ Wenn ein Übersetzer davon ausgeht, wie es bei den Übersetzern der Elberfelder der Fall ist, dass Esau keinen Segen erhält, dann übersetzt man das griechische Wort einfach mit  „verworfen“, was aber der Sinngehalt dieses Verses und auch des Verses aus Kapitel 11,20 gar nicht hergibt. Das griechische Wort lautet apodokimazo (αποδοκιμαζω) und kann übersetzt werden mit:

  1. aberkennen,
  2. ablehnen
  3. widerlegen
  4. zurückweisen
  5. entkräften.
  6. verwerfen.

Esau forderte sein Recht, das des Erstgeborenen, doch dass wurde durch den Vater abgelehnt, denn  durch den Vertrag, den Esau mit Jakob abgeschlossen hatte, wird ihm das Recht aberkannt. Juristisch betrachtet widerlegt ihm sein Vater mittels des rechtsgültigen Vertrages und belehrt Esau  eines Besseren. Die Klage Esaus wird damit durch den „Richter“ Isaak abgewiesen.  

Jetzt untersuchen wir ein zweites Wort aus dem Vers, das Wort Raum und nach der Erklärung des Begriffes muss jeder Widerspruch verstummen. Nun, was wird mit dem Raum beschrieben, den Esau nicht fand? Das griechische Wort für Raum lautet Topos (τοπος). Es bezeichnet:

1. ein Fleck, d.h. einen Ort ( entweder die Position, die Wohnung, das Gebiet usw.).
2. bildlich:  steht es für: Zustand, Gelegenheit:
3. im Besonderen steht es für: eine Scheide;
  (allgemein im Raum, aber begrenzt durch die Belegung;

Aus dem Wort Topos entnehmen wir, dass es für Esau keine Gelegenheit mehr gab, den rechtlichen Zustand, den er mit seinem Eid besiegelt hatte, rückgängig zu  machen. Wenn wir uns den Umfang und die Ausmaße des Segens des Erstgeborenen genauer ansehen, dann verstehen wir auch, worauf sich der Segen räumlich erstreckt und dass er vom Gesegneten bereits besetzt ist.
Der Segen des Erstgeborenen erstreckt sich über zwei Bereiche, das wird durch das doppelte Teil, das Hannah erhält, bereits angedeutet. Durch Ephraim, der Gottes Erstgeborener ist, wird es in seinem Namen prophezeit, denn sein Name bedeutet „doppelte Frucht“. Und auch in den Evangelien wird es verschleiert erzählt. Während der Herr den 12 Aposteln zusagt, das sie auf 12 Thronen sitzen werden, um die 12 Stämme Israels zu richten, das bezieht sich auf die Erde, dann möchten die Söhne des Zebedäus (Geschenk) mehr, sie möchten zudem links und rechts in der Herrlichkeit sitzen, und das deutet auf den Himmel.

Das doppelte Erbteil beschreibt zum einen den Himmel und zum anderen die Erde. Das sind die beiden Seiten des doppelten Erbes. Es kann sogar im einfachen Segen Esaus gesehen werden. Esau ist gesegnet mit der Fülle der Erde, vom Himmel tröpfelt der Tau. Die Worte Fülle und tröpfeln bilden den Spannungsbogen zwischen Erde und Himmel, der mit der Beschreibung des Segens gezogen wird. Im Segen Esaus sollen wir erinnert werden an die Zeit des Anfangs im Garten Eden, denn auch dort hatte der Tau des Himmels die Erde bedeckt, weil zu jener Zeit der Regen unbekannt war. Der Zweitgeborene erhält die Zusicherung, dass Gott das Paradies auf Erden wieder herstellt.

Noch Vieles könnte ich über die über die Rechte des Erst- und Zweitgeborenen erzählen, aber vielleicht entdeckst du die verborgenen Schätze ja selbst.


Siehe u.a. auch die folgenden Skripte, die den Bruch beschreiben:





© Copyright by H. Randy Rohrer Berlin, den 01.12. 2021
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