Lesarten: Matthäus 27,9
Lesarten > Ebene 82
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. TR | Τότε ἐπληρώθη τὸ ῥηθὲν διὰ Ἰερεμίου τοῦ προφήτου, λέγοντος, Καὶ ἔλαβον τὰ τριάκοντα ἀργύρια, τὴν τιμὴν τοῦ τετιμημένου, ὃν ἐτιμήσαντο ἀπὸ υἱῶν Ἰσραὴλ, |
Byz | siehe TR |
| NA | · Τότε ἐπληρώθη τὸ ῥηθὲν διὰ Ἰερεμίου τοῦ προφήτου, λέγοντος, Καὶ ἔλαβον τὰ τριάκοντα ἀργύρια, τὴν τιμὴν τοῦ τετιμημένου, ὃν ἐτιμήσαντο ἀπὸ υἱῶν Ἰσραὴλ, |
Matthäus 27,9
NADa wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremias geredet ist, welcher spricht: "Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, welchen man geschätzt hatte seitens der Söhne Israels,TR & ByzDa wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremias geredet ist, welcher spricht: "Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, welchen man geschätzt hatte seitens der Söhne Israels,
Die Lesarten sind gleich. Warum steht diese Schriftstelle dennoch in der Liste? Schaun wir mal.
Der Levit und sein Ansatz auf Textstellen zu verweisen
Matthäus wendet die gleiche Vorgehensweise an wie der Evangelist Markus. In Kapitel 27 schreibt Matthäus in seinem Evangelium: „Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremias geredet ist, welcher spricht“, und dann zitiert er aus Sacharja und nur aus Sacharja. Das ist seltsam, nicht wahr?
Der Evangelist Matthäus war ein Levit und mit den Schriften des Alten Testaments bestens vertraut, auch mit der Art, wie Juden rhetorisch erzählen und argumentieren. Von einem Fehler in der textlichen Überlieferung des Verses ist nicht auszugehen, und so bezeugen uns heute alle schriftlichen Überlieferungen den gleichen Wortlaut, sowohl der Textus receptus, als auch der Mehrheits- und Minderheitentext, überall lesen wir: „Was durch den Propheten Jeremias geredet ist.“ Das macht es uns leicht, gegen die Aufforderung, den Jesaja aus Markus 1,2 zu streichen, mutig entgegenzustellen.
Matthäus geht in gleichweise wie Markus vor, er verweist auf den Propheten Jeremia. Er fordert damit den Leser auf, dem Hinweisschild Jeremia zu folgen und anschließend dort weiterzufahren, wo man als Leser im Evangelium zuletzt gestanden hat. Auf diese Weise versteht man die Zitate besser: Das Evangelium lesen, der Abbiegung folgen und am Ende zurückkehren zum Ausgangspunkt.
Jesus und Jeremia
Jeremia erlebte von Jugend an viel Leid, zudem wurde er mit dem Tod bedroht, besonders deshalb, weil er die Zerstörung des Tempels ankündigte. Doch er fand treue Fürsprecher, die darauf hinwiesen, dass bereits Micha vor langer Zeit ebenfalls die Zerstörung des Tempels ankündigt hatte, deswegen aber nicht getötet wurde. Gott bewahrte den Propheten, er durfte leben.
Nun ist Jeremia ein Schattenbild auf den Messias, der gleichfalls von Anfang an mit dem Tod bedroht wurde. Mit den gleichen Anschuldigen konfrontiert durch Zeugen, die man zuvor präpariert hatte, wollte man Jesus zum Tode verurteilten.
Der Prozess gegen Jesus
Jesus wird bei Nacht verhaftet und durch die Hohenpriester Kajaphas und Annas verhört. Dann stellt man ihn vor den Sanhedrin, doch die Zeugen, die Jesus belasten, taugen nichts. Auf dem Höhepunkt der Verhandlung zieht der Hohepriester die Notbremse, denn die Sache drohte ihm aus dem Ruder zu laufen. Anders als er erhofft hatte, nutzen ihm auch seine zwei Zeugen nichts, ihre Aussagen waren nicht stimmig und somit werlos; und so steigt die Spannung in den Reihen der Richterschaft, die auch Kajaphas spürt, denn er sitzt plötlich auf heißen Kohlen. Da war Gefahr in Verzug und viel stand für ihn auf dem Spiel.
Obwohl es ihm als Hohenpriester nicht erlaubt war, selbst den Angeklagten zu befragen, setzte er sich rotzfrech über alles Recht hinweg, um den für ihn ungünstigen Verlauf der Verhandlung doch noch zu drehen, zu seinen Gunsten zu wenden. Kaiphas wusste, wenn Jesus jetzt nicht verurteilt wird, dann … Wenn die anderen anwesenden Richter kein Urteil fällen, dann ... Schon vor seinem Auftritt zerreisst es ihn innerlich, und weil es keine Innerlichkeiten gibt, die nicht auch gleichzeitig Äußerlichkeiten sind, kocht es in ihm hoch, er springt auf und in die Mitte (Mesos), schreit (damit es ja keiner verpasst): „Ich beschwöre dich beim lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.“ Die Frage offenbart: Kajaphas wusste, dass der Messias der Sohn Gottes ist und das er Jesus nur dann zur Bejahung seiner Frage zwingen kann, wenn er Jesus unter Schwur stellt. Jesus antwortet nicht mit einem simplen: Ja!, Er antwortet: „Du sagt es.“ Damit bestätigt Jesus, dass der Hohepriester sehr wohl wusste, das er – Jesus – Gottes Sohn und der Messias ist.
Viele der anwesenden Richter, auch Kajaphas, konnten sich in den zurückliegenden fünf Tagen davon überzeugen, dass Jesus der Messias sein musste. Die Menge an Wundern, die Jesus im Tempelbezirk vor ihren Augen tat, waren für alle Juden ein erdrückender Beweis. Sie verurteilen ihn wider besseren Wissens dennoch zum Tod Im Urteil waren sich alle anwesenden Priester einig, aber warum? Weil es einen tiefersitzenderen Grund gab, Jesus aus dem Weg zu räumen. Diesen Grund erfährt der Leser nach der Jeremia-Lektüre, wenn er das Zitat aus Sacharja 11 liest, welches ebenfalls als Hinweisschild dient, doch bitte das ganz Kapitel zu lesen, um u.a. zu erfahren, was den Hohenpriester so erhitzte.
Warum Kajaphas so sehr in Wallungen kam
Wir kommen jetzt zu dem verdeckten Motiv des Hohenpriesters, dem eigentlichen Beweggrund seines Denkens, Wollens und Handelns. Der Apostel Paulus schreibt dazu: „Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen.“ Und genau das war die innerste Triebfeder des Hohenpriesters, seine Geldliebe. Aber nicht nur Kajaphas war geldgeil, die gesamte Priesterklasse gehörte zu den Reichsten des Landes. Ihren Reichtum aber haben sie nicht redlich erworben, sondern von anderen geraubt. Das warf ihnen Jesus vor, als er sagte, sie haben den Tempel zu einer Räuberhöhle gemacht. Eine schwerwiegende Anklage und das zurecht. Während ein Dieb nur stiehlt, tötet der Räuber bei seinem Raub. Und so ist der von Matthäus zitierte Vers aus Sacharja 11 ein erster Wink auf die Räuber, gleichzeitig erklärt uns Matthäus, wie man studiert. Und so folgen wir seiner gelegten Spur und lesen nicht nur Jeremia, sondern auch Sacharja 11 vollständig. Sacharja 11 – Diese Prophetie wiederholt sich.
Auszug aus Sacharja 11 mit Interpretation
Also sprach der Herr, mein Gott:
1. „Weide die Herde des Würgens.“
- Ein Hirte wird angesprochen, ein Hoherpriester – Jesus.
2. „deren Käufer sie erwürgen, und nicht büßen“,
- die amtierende Priesterschaft tötet die Käufer.
3. „und deren Verkäufer sprechen: Gepriesen sei der Herr, denn ich werde reich.“
- insbesondere die Klasse der Hohenpriester.
4. „Und deren Hirten sich nicht verschonen“.
- Das sind die Hirten der Käufer.
Berlin, den 17. August 2026
© Copyright by H. Randy Rohrer
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