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Krümel - Brot - und Bissen

Skripts > Roger Liebi
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Der Bissen in Johannes 13   


Für einen Freund oder einen Feind

  

Das letzte Passahmahl Jesu

Eine Kritik des Krümmel-Pickers an der Aufführung: Passah

Heute picken wir ganz besondere Krümmel auf

Die Passah-Aufführung von Roger Liebi ist durchaus anschaulich. Der Zuschauer erhält einen Eindruck, wie Juden heute das Passah feiern und das seit dem Mittelalter. Ob das Fest auch vor 2000 Jahren so gefeiert wurde mit drei Mazzen und vier Kelchen? Dazu empfehlen wir dringend den Artikel "Afikoman" der Jüdischen Allgemeine. Im fünften Absatz erhalten wir folgende wichtige Informationen: "Da seit der Zerstörung des Zweiten Tempels (im Jahre 70 n. Chr.) keine Opferungen mehr stattfinden, wurde das Pessachlamm symbolisch durch die Mazza ersetzt, die seit dem Mittelalter dann selbst als Afikoman bezeichnet wird." Quelle: Jüdische Allgemeine

Damit hätten wir geklärt, dass das Passah vor 2000 Jahren eben nicht auf jene Art gefeiert wurde, wie Roger Liebi es darstellt.  

Nun zu weiteren Details des Passah-Abends, die wesentlich sind für ein solides Verständnis zur Abendmahlspraxis. Dr. Roger Liebi betont während der Aufführung, Lukas würde nicht chronologisch erzählen, damit widerspricht er Lukas und macht den Evangelisten, um es gelinde auszudrücken, zu einem unzuverlässigem Schriftzeugen. Im ersten Kapitel, in Vers 3, erklärt uns Lukas nämlich etwas anderes. Er versichert dem Theophilus ausdrücklich, dass er alles der Reihe nach aufschreibt. "Der Reihe nach" heißt wörtlich: "hintereinander“ bzw. „aufeinanderfolgend".  


Kleines Detail mit großer Breitenwirkung

Warum ist es so wichtig zu wissen, dass Lukas die Ereignisse chronologisch beschrieben hat? Es lässt sich damit falsche Lehre widerlegen. Wer ein offenes und ehrliches Herz hat, wird die Wahrheit bereitwillig annehmen. Die sogenannten Brüder der Brüdergemeinden (die Exklusiven) gründen u.a. indirekt die Absonderungslehre auf ihre eigenwillige Chronologie des letzten Passah-Abends. Sie behaupten, Lukas schreibe gar nicht chronologisch, sondern Johannes ist es, der uns die richtige Reihenfolge erzählt, denn nachdem Judas den Bissen genommen hatte, ging er hinaus und erst dann habe Jesus das Abendmahl eingesetzt. Damit sagen sie auch: Der Bissen sei Teil des Passahmahles.  

Mit dieser Interpretation stützen sie die Zulassungspraxis zum „Brotbrechen“, wie sie es nennen. Kein Fremder darf daran teilnehmen, ohne zuvor geprüft worden zu sein. Und sollte einmal einer der ihren an einem Abendmahl in einer anderen Gemeinde teilnehmen, wird er ausgeschlossen, denn er hat sich – nach deren Verständnis – verunreinigt, hat sich mit Bösem gemein gemacht, so drücken sie es aus. Das gehört zu den „kranken Lehren“, um mit den Worten von Roger Liebi zu sprechen. Damit haben sich die Exklusiven selbst abgeschnitten von allen anderen Christen und bleiben damit unter sich. Aus diesem Grund erhielten sie folgerichtig die Bezeichnung: Exklusive.  

Weil Lukas aber sehr wohl chronologisch schreibt, können wir erkennen, dass Jesus das Abendmahl während des Passahs einsetzte. In Lukas 22,17 reicht er den Jüngern einen Kelch und sagt: „Nehmet diesen und teilet ihn unter euch,“ anschließend setzt er in Vers 18 das Abendmahl ein mit Brot und dann mit Wein. Unmittelbar danach sagt Jesus einen erschütternden Satz: „Doch siehe, die Hand dessen, der mich überliefert, ist mit mir über Tisch.“ Die Jünger werden durch die Worte des HERRN erschreckt worden sein und so fragten sie sich: Wer das wohl sein mag? Die Frage beantwortet Jesus dem Johannes und so finden wir die Antwort auch nicht im Lukasevangelium, sondern im Evangelium des Johannes.  


Brot oder  Bissen – Leben oder Tod

Johannes nennt es nicht Passah, sondern spricht vom "Abendessen". Das griechische Wort bezeichnet damit keine Vorspeise  und auch keinen Appetizer, sondern eine Hauptmahlzeit. Der Herr Jesus setzte das Abendmahl während dieser Hauptmahlzeit ein. Unmittelbar nach dem Abendmahl sagt er dann in Joh. 13,18b: "... aber auf dass die Schrift erfüllt würde: Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben." Jesus zitiert Psalm 41,9 wörtlich, d.h., Judas isst das Brot Jesu. Auf die Textvariante des Textus receptus in der es heißt: „Der das Brot mit mir isst“, gehen wir weiter unten noch ein.  

Zuvor klären wir, was das für ein Bissen war, von dem Johannes als einziger Evangelist berichtet, denn der Bissen ist vom Brot zu unterscheiden. Als Jesus enthüllte, dass einer von den Aposteln ihn verraten würde, wollte Petrus wissen, wer es ist, deshalb winkte er Johannes zu und signalisierte ihm, er möge doch Jesus fragen, was Johannes dann auch tat. Der Herr antwortete ihm:
„Jener ist es, welchem ich den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde“. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, gibt er ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot.  

Die Szene spielte sich am Ende des „Abendessens“ (Passah) und nach dem Abendmahl ab und setzt damit einen dramatischen Schlusspunkt des Passahmahls.  


Was hat es mit dem Bissen auf sich?  

Nun wird es wieder spannend und das wird es immer, wenn wir die Bedeutungen der Wörter des Grundtextes untersuchen. Das griechische Wort für Bissen lautet: psomion (ψωμιον – G5596) und bedeutet: ein Krümel oder Happen (als abgerieben oder weggerieben), d.h., den Mund vollhaben (mit dem Abgeriebenen) oder kurz: ein Bissen. Ein Bissen wird mundgerecht ab- oder weggerieben. Die Wortwurzel zeigt an, was weggerieben wird, wir finden das Wort in Lukas 6,1, dort schreibt Lukas: „Und es geschah am zweit-ersten Sabbath, dass er - Jesus -  durch die Saaten ging, und seine Jünger die Ähren abpflückten und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben.“ Das griechische Wort für „zerreiben“ lautet: psocho (ψωχω – G5597), es handelt sich um ein Hapax legomenon, das ist ein Wort, das nur einmal in der Bibel vorkommt und wie wir festgestellt haben, auf die Endzeit deutet. Psocho  bedeutet wörtlich: mit den Fingern die Kerne aus der Schale reiben.  


Die Deutung des Bissens

Wie bereits weiter oben gesagt, ist der Bissen kein ritueller Bestandteil des Passah-Festes, auch wenn gewisse „Experten“ etwas anderes schlussfolgern. Die Idee, dass der Ehrengast einen solchen Bissen erhalten würde, entspringt einzig der menschlichen Phantasie, die dann zu sprießen anfängt, wenn man die Texte nicht ordentlich studiert. Außerdem widerspricht es der Lehre Jesu, denn er sagte zu den Jüngern: „Ihr alle seid Brüder“. Auch der Streit nach dem Abendmahl, bei dem es darum geht, wer der Größte unter ihnen sei, widerspricht der Idee, Jesus habe einen der Apostel beim Mahl vorgezogen. Der Bissen ist ein Gerichtsbissen. Judas bildet die Spreu, die der Wind dahintreibt. Und so treibt und eilt sie - die Spreu - dahin in die Nacht und wird nie mehr gefunden werden.    


Nestle Aland oder Textus receptus?

Nun pocht Roger Liebi bei vielen Gelegenheiten auf den Textus receptus, weil er den wissenschaftlichen Text von Nestle Aland vehement ablehnt. Eine solch pauschale Ablehnung ist offensichtlich ideologisch begründet, sollte aber bei Christen nicht gefunden werden. Jeder Text des Neuen Testaments verdient es, genauestens untersucht werden, bevor man sich für eine Variante entscheidet, zumal es nicht den einen "Textus receptus" gibt, es gibt zahlreiche Varianten.  

Heißt es nun aber: Der „mit mir“ das Brot ißt? Oder: Der „mein Brot“ ißt? Wie wir den Berichten von Matthäus und Markus entnehmen, sprach Jesus alle Jünger an: „Nehmet und esset“ ... und: „trinkt alle daraus“. Der Herr Jesus hat nicht nur mit Judas das Brot gegessen, sondern mit allen Aposteln. Würden wir die Variante „der mit mir das Brot ißt“ wählen, wäre die Aussage zu allgemein gehalten und würde die übrigen Apostel ausschließen. Weil alle Apostel das Brot aber gegessen haben, kommt nur die Variante „der mein Brot ißt“ in Frage, denn sie deutet direkt auf das Brot des Abendmahls.

Eigentlich lässt sich die Frage nach der richtigen Textvariante ganz leicht beantworten. Nehmen wir den Text aus Psalm 41,9 (oder 10) nochmals zu Hilfe: „Selbst der Mann meines Friedens, auf den ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben.“ Die Betonung liegt auf „Mein Brot“. Wenn Jesus sagt: „Mein Brot“, dann setzt er das Brot des Abendmahls in Beziehung zu seinen Leib, deshalb sagt er, nachdem der das Brot nahm: „Das ist mein Leib“ und alle aßen von diesem Brot – auch Judas. Zu diesem Zeitpunkt konnte Judas noch umkehren.  

Der Bissen aber ist von ganz anderer Art, denn er ist ein besonders bitterer Happen, der vollständig, wie ein Schwamm, mit einer bitteren Soße getränkt war. Diesen Bissen reichte Jesus dem Verräter. Er nahm und aß.  


Zusammenfassung mit Ergänzungen

Wir haben aufgezeigt: Lukas ist vertrauenswürdig, denn wenn er sagt, dass er seinen Bericht chronologisch abfasst, dann dürfen darauf vertrauen und dies auch für den Ablauf des letzten Abends vor der Kreuzigung annehmen. Die Abfolge sah dann, wie wir aufgezeigt haben, wie folgt aus: Zuerst das Passahmahl, dann gegen Ende die Einsetzung das Abendmahl und als Schluß- bzw. Scheidepunkt reicht der HERR dem Judas den bitteren Bissen.  

Des Weiteren haben wir u.a. mit dem Link auf die „Jüdische Allgemeine“ darauf hingewiesen, dass Jesus und seine Jünger das Passah nicht auf jene Weise gefeiert haben, wie sie Roger Liebi demonstriert und erklärt. Der Afikoman wurde stellvertretend für das fehlende Passahlamm nach dem Jahr 70 n.Chr. eingeführt und den Namen Afikoman erhielt eine Mazza ebenfalls erst später, im Mittelalter, sagt die Jüdische Allgemeine.  

Dann haben wir mit dem Vers aus Psalm 41,9 (oder 10) dem Leser aufgezeigt, welche Methode auf der Suche nach den ursprünglichen Textvarianten i.d. R. zum Erfolg führt, nämlich zu allererst die Bibel selbst befragen und untersuchen. Auf diese Weise sind wir zu der Lösung gelangt, die auch für jeden Christen einsichtig ist, dass Jesus nichts anderes gesagt haben kann als: „Der mein Brot ißt, hat die Ferse gegen mich erhoben“.  

Übrigens: Wer wie Judas dieses Brot unwürdiglich isst, der isst und trinkt sich selbst das Gericht; siehe dazu 1.Kor.11,27-29. Mit der Annahme des bitteren Bissens wird für Judas das Gericht eingeläutet.  

Nun nochmals zur krankhaften Absonderungslehre der Exklusiven. Man kann sich nicht verunreinigen, wenn man in einer anderen Gemeinde das Abendmahl feiert. Man kann sich auch nicht verunreinigen, wenn ein uns Fremder Christ am Abendmahl teilnimmt, denn Jesus hatte vor Abendmahl gesagt: Wer gebadet hat, ist ganz rein und „ihr seid rein, aber nicht alle“. Der Herr will damit sagen, alle 11 Apostel waren ganz rein, mit einer Ausnahme: Judas; dieser Unreine nahm dennoch Teil am Abendmahl, ohne dass sich Jesus und die anderen elf Aposteln verunreinigten. Wir sehen, wie krank die Verunreinigungslehre der Exklusiven ist.   

Und noch etwas sehr Bedeutsames erfahren wir aus dem Bericht des Johannes, das den Exklusiven eine große Hilfe zur Korrektur sein kann. In Kapitel 13,20 lesen wir folgende Verheißung: „Wahrlich, Wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf, wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Dieser Vers steht nicht umsonst in Verbindung mit dem Abendmahl. Er soll uns an jedem ersten Tag der Woche daran erinnern, auch die Fremden aufzunehmen, denn der Herr hat sie gesandt, ganz gleich zu welchem Zweck. Das Wort senden, griechisch pempo (πεμπω – G3992) bezeichnet jemanden, der eine „vorübergehende Besorgung“ macht und das können im Grunde genommen alle möglichen Besorgungen sein, die eine Schwester oder ein Bruder zu erledigen hat.  

Auf den Umkehrschluss wollen wir nur hinweisen. Wer den Fremden nicht aufnimmt, der nimmt auch Jesus nicht auf und wer Jesus nicht aufnimmt, der nimmt auch den Vater nicht auf. Daher die eindringlichen Worte des Apostels Paulus: Der Gastfreundschaft vergesset nicht, wörtlich: Der Liebe zu Fremden vergesset nicht.  

Wir hoffen und beten, dass der Herr zu den Herzen der Brüder redet und sie ihre krankhafte Lehren aus ihrer Mitte schaffen, denn dann würde ihr Zeugnis ein Bollwerk gegen das Böse sein können und ein Bergungsort für viele in diesen unseren schweren Zeiten.  
  


Berlin, den 17. Juli 2024






  
© Copyright H. Randy Rohrer


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