Esau und Jakob - Eine prophetische Interpretation - Teil 2
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.Perez und SerachEine prophetische Interpretation - Teil 2
Betrugsaffäre – Zweiter Teil
Im ersten Teil haben wir hoffentlich verständlich darlegen können, dass Jakob kein Überlister und auch kein Betrüger war, Esau jedoch mit seinem Betrugsversuch kläglich scheiterte. Das letzte Wort in dieser Sache hatte der Vater, der alle Unklarheiten kurz und knackig mit der Verkündigung seines Beschlusses beseitigte: „Er - Jakob - ist und bleibt gesegnet.“
Nun finden wir im Buch Genesis alle wichtigen Anfänge, die zum Verständnis der Heiligen Schrift notwendig sind, deshalb kehren wir für den zweiten Teil der Affäre zurück zu diesem Buch und nehmen den Faden wieder auf und untersuchen die Sache nochmals, denn es gilt, weitere diffuse Dinge aufzudecken und zu erklären. Das wird ungleich schwieriger sein, vor allem deshalb, weil von einem der Protagonisten recht wenig erzählt wird.
Nun denn, der Lebenslauf des Einen ist nicht die Biografie des Anderen und doch lassen sich immer wieder gemeinsame Merkmale aufzeigen und beschreiben und natürlich auch die Unterschiede. Hat man sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede erarbeitet, findet man sich in der komplexen Welt der biblischen Erzählungen deutlich besser zurecht. Und damit kommen wir zur rhetorischen Figur der Analogie, so wie wir sie verstehen. Sie ist ein Stilmittel besonderer Güte. Sie ist fähig, uns durch Vergleiche die Berichte und Erzählungen anschaulich und fassbarer zu machen; und am Ende lassen sich sogar die Varianten in etwa heilsgeschichtlich einordnen.
Erstgeburtsrecht hin und wieder zurück
Das zeigen einige Male die Schriften des Alten Testaments, aber auch das Neue Testament, dort allerdings weniger offensichtlich. Mal geht es hin, mal geht es her. Das Schauspiel sucht seines Gleichen, das mit Rebekkas Schwangerschaft seinen Anfang nahm und mit der Geburt ihrer Zwillinge so richtig in Fahrt kommt. Esau wird das Recht des Erstgeborenen zuerkannt, das er als Erwachsener aber verachtete und es an seinen Bruder verramschte.
Die Geschichte eines anderen Zwillingspaares
Ihr Zwist wird nicht in Genesis 38 berichtet, aber angedeutet. Das Drama beginnt ebenfalls vor ihrer Geburt. Vers 6: „Und Juda nahm ein Weib für Gher, seinen Erstgeborenen, und ihr Name war Tamar.“ Weil Gher aber in den Augen Gottes böse war, tötete er ihn. Onan, der zweite Sohn Judas, wurde ebenfalls von Gott getötet, weil er sich in der Schwagerehe weigerte, der Tamar einen Sohn zu zeugen. Jedesmal unterbrach er und ließ den Samen auf die Erde ...
Tamar wird dennoch schwanger, nicht durch den versprochenen dritten Sohn, sondern durch Juda selbst, ihren Schwiegervater. Tamar bringt Zwillinge zur Welt. Den einen nennen sie Perez und den anderen Serach. Während der Geburt der beiden spielt sich folgende Szene ab:
Und es geschah, während sie gebar, da streckte einer die Hand heraus, und die Hebamme nahm sie und band einen Karmesinfaden um seine Hand und sprach: Dieser ist zuerst herausgekommen. Und es geschah, als er seine Hand zurückzog, siehe, da kam sein Bruder heraus; und sie sprach: Wie bist du durchgebrochen! Auf dir sei der Bruch! Und man gab ihm den Namen Perez. Und danach kam sein Bruder heraus, um dessen Hand der Karmesinfaden war, und man gab ihm den Namen Serach.
Halten wir fest, Serach ist der Erstgeborene, als Zeichen dafür bindet die Hebamme einen Karmesinfaden um sein Handgelenk und sagt, damit ja keine Unklarheiten aufkommen: Dieser - Serach - ist zuerst herausgekommen. Aus unbekannten Gründen zieht Serach seine Hand zurück und es kommt Perez. Und wieder kommentiert die Hebamme das Geschehen, diesmal mit einer Frage: „Wie bist du durchgebrochen?“ Unverzüglich fällt sich dann auch das Urteil: „Auf dir sei der Bruch!“ Offensichtlich gab es zwischen den Zwillingen Zoff. Die Hebamme benennt für alle laut und deutlich vernehmbar den Verursacher, dennoch wird Perez und nicht Serach zum Erstgeborenen erklärt und in den Genealogien auch als solcher geführt. Warum eigentlich? Schau'n wir mal.
Wie zuvor gesagt, die Interpretation der Erzählung der Zwillinge Tamars ist ungleich schwieriger als die von Jakob und Esau, denn während die Geschichten Esaus und Jakobs eng miteinander verwoben sind, laufen die Geschichten von Perez und Serach scheinbar völlig unabhängig vom anderen nebeneinander. Perez ist ein auffälliges Glied in der Kette der Genealogie des Messias, über Serach wird nichts Bedeutendes erzählt, doch mittels der Analogie und der Prophetie erfahren wir dann doch einige erstaunliche Dinge. Es folgt nun eine kleine Auswahl der Auffälligkeiten, welche die Zwillingspaare Esau/Jakob und Perez/Serach miteinander verbinden. Anschließend gehen wir auf diese und weitere Analogien ein.
- Sowohl Rebekka als auch Tamar bringen Zwillinge zur Welt.
- Beide Mütter bleiben lange Zeit kinderlos, Rebekka 20 Jahre, Tamars Kinderlosigkeit kann nur geschätzt werden, vielleicht auch etwa 20 Jahre.
- In beiden Fällen ist Gott am Werk, er verhilft der Rebekka zur Schwangerschaft und bei Tamar verhindert er sie, aber nicht ihretwegen, sondern wegen der Bosheit ihrer Männer. Gott tötete Gher und Onan. Nach Jahren nimmt Tamar die Sache selbst in die Hand.
- Im Bauch der Rebekka stoßen sich Esau und Jakob und es entsteht ein Riss. Von Perez und Serach wird Derartiges nicht berichtet, trotzdem entsteht weitaus Schlimmeres; zwischen den Zwillingen entsteht ein Bruch.
- Jakob hält während der Geburt Esaus dessen Ferse fest; sie kommen gleichsam als ein Tandem zur Welt, dagegen wird Serach mit einem karmesinroten Faden am Handgelenk markiert, die Zwillinge kommen dann allerdings in umgekehrter Reihenfolge zur Welt.
- Jakob will keinen Spott treiben, Juda will wegen der Affäre nicht zum Gespött werden.
- Esau und Jakob stehen im Mittelpunkt der Erzählung; im anderen Fall sind es Tamar und Juda; heilsgeschichtlich gesehen läuft alles auf die Zwillinge zu.
- Hand und Fuß sind die verbindenden Elemente zwischen Esau und Jakob. Die Verbindung zwischen Serach und Perez ist unsichtbar, wird aber durch das Zeichen des Karmesinfadens besonders betont.
- Frieden schaffen, ohne Waffen, das gelingt sowohl der Rebekka als auch der Tamar.
- Es gibt noch eine Parallele zu einem dritten Zwillingspaar.
Hinweis: Karmesin hat die Farbe des arteriellen Blutes, der Faden in dieser Farbe betont die Blutsverwandtschaft zwischen Perez und Serach samt ihren Nachkommen.
Was sich aus den Vergleichen erkennen lässt
Zwischen Esau und Jakob entstand ein Riss, den Jakob zu kitten suchte. Indem er mit seiner Hand die Ferse Esaus fest umklammerte, sorgte er dafür, dass die Verbindung zwischen ihnen nicht abbrach. Von seiner Mutter wurde er später darin unterstützt. Allerdings schickte sie Jakob zu seinem Schutz zunächst nach Aram, damit es nicht zum Äußersten kommt. Gras sollte über die Sache wachsen und Esau sich beruhigen.
20 Jahre später gelang es dann Jakob, sich mit seinem Bruder zu versöhnen; siehe Genesis 33. Nachdem der Frieden zwischen ihnen wieder hergestellt war, baute Jakob Sukkot (Laubhütten). Der Ort wird zum Schattenbild für das 1000-jährige Friedensreich, das der Apostel im Hebräerbrief mit dem verschleiernden Ausdruck „zukünftige Dinge“ andeutet. Auch Jakobs 20-jähriger Aufenthalt in Aram deutet verschleiert auf die Endzeit, denn etwa 2000 Jahre sollte es dauern, dass „die Brüder“, bestehend aus Juden und Heiden, wieder einträchtig beieinander wohnen. Warum dann trotz des vollständigen Friedens der Bruch nicht geheilt werden kann, werden wir noch sehen.
Serach trägt als Erkennungsmerkmal einen Karmesinfaden am Handgelenk, an dem er immer als Erstgeborener identifiziert werden kann. (Das Zeichen wird heutzutage von Prominenten nachgeahmt, um die Zugehörigkeit zu einer elitären Gruppe anzuzeigen.) Perez drängelte sich vor und an Serach vorbei. Eine ähnliche Auseinandersetzung muss zwischen Esau und Jakob stattgefunden haben, denn diese stießen sich bereits vor der Geburt heftig im Mutterleib. Und weil Rebekka Schlimmstes befürchtete, befragte sie den HERRN, der ihr dann u. a. mitteilte: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ Übersetzung nach der Elberfelder. Was hatte Gott gesagt und was hat er gemeint, als er sagte: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen?“
Wir untersuchten den Vers genauer, denn uns schwante, dass der Wortlaut der Übersetzung so gar nicht passt zum Großen und Ganzen des Heilsplanes Gottes. Wir nahmen das Lexikon zur Hand und übersetzten: „Der Reichere wird dem Ärmeren dienen.“ Vom dem Ergebnis überrascht, sahen wir bei Martin Luther nach: „ Der Größere wird dem Kleinem dienen“, damit hat Martin Luther gegenüber der Elberfelder wieder einmal die Nase ganz weit vorn. Gott wollte nicht sagen: der Ältere, sondern der Größere, doch größer in was? Nun, das wird mit unserer Variante erst richtig deutlich: Der Reichere wird dem Ärmeren dienen.
Zu einer weiteren Überraschung kam es, als wir später feststellen, dass Esau genau den gleichen Begriff verwendete wie Gott. Lesen wir, was Esau zu Jakob sagte, der ihm ein großes Geschenk machen wollte. „Ich habe genug.“ (Elberfelder). Das Wort genug ist nicht aussagekräftig genug, um den Kern des Gesagten auch nur annähernd genug wiederzugeben. Ein alter Mensch hat genug, nachdem er einen winzigen Schluck zu sich genommen hat. Ein anderer hat genug, nachdem er drei Portionen einer Hauptmahlzeit verschlungen hat. Was ist genug?
Das hebräische Wort muss richtigerweise übersetztet werden mit: groß oder reich oder reichlich oder viel. Angesichts des großen Geschenks, das ihm Jakob machen möchte, will Esau eines zum Ausdruck bringen, er will Jakob sagen, dass er viel mehr als genug hat oder präziser ausgerückt: „Ich bin reich.“ Das hebräische für reich lautet רב (rav). Und so schlussfolgern wir, dass der HERR, als er zu Rebekka sprach, sagen wollte: Der Reichere - רב - wird dem Ärmeren - צעיר (Tza'ir) dienen.
Vollständigkeitshalber liefern wir noch die wörtliche Übersetzung von Tzair: unedel, klein sein, gering, unbedeutend oder klein werden. Dass sich das Wort tzair auf den mangelnden Reichtum bezieht, wird durch einen Gegensatz in Jeremia 30,19 deutlich. Gott spricht über Israel und sagt: Ich will sie herrlich machen und sie werden nicht gering (tzair) werden. Das Wort herrlich, hebr. Kawad (כבד), lässt sich übersetzen mit: reich, schwer sein, gewichtig sein, herrlich sein. Es bildet den Gegensatz zu dem Wort „gering“. Und so ließen sich die Worte des HERRN auch übersetzen mit: Der Reichere wird dem Geringeren dienen. Ob wir Ähnliches bei Perez und Serach finden?
Anmerkung:
Aus dem soeben Gesagten lässt sich unschwer erkennen, dass ein einziges deutsches Wort i.d.R. niemals den Sinn vollständig wiedergeben kann. Aus diesem Grund sind wir immer wieder aufgefordert, uns die ganze Bedeutungsbreite der hebräischen Begriffe anzusehen und den Kontext zu beachten. Zudem gilt, den Gebrauch der Wörter in anderen Schriftstellen zu Rate zu ziehen und auch dort den Kontext zu berücksichtigen.
Finden Reichtum und Armut bei Perez und Serach eine Parallele?
Von Serach erfahren wir diesbezüglich nichts. Perez dagegen wird im Buch Ruth besonders erwähnt. Die Bevölkerung von Bethlehem sprechen zu Boas, der ein Nachfahre von Perez ist und sagen: „Und von dem Samen, den der Herr dir von diesem jungen Weib geben wird, werde dein Haus wie das Haus des Perez, den Tamar dem Juda geboren hat.“ Aber das ist noch nicht alles. In Ruth 4,11 heißt es: „Und alles Volk, das im Tore war, und die Ältesten sprachen: Wir sind Zeugen! Der HERR mache das Weib, das in dein Haus kommt, wie Rahel und wie Lea, die beide das Haus Israel erbaut haben; und werde mächtig in Ephrata und stifte einen Namen in Bethlehem.“
Mit David, das ist der gestiftete Name, wird dann tatsächlich eine mächtige und reiche Dynastie begründet. Salomon, der Sohn Davids, sollte während seiner Regentschaft zum reichsten Mann der damaligen Welt aufsteigen. Die Menge an Gold, die er zusammenbrachte, war so groß, dass in jenen Tagen das Silber für nichts geachtet wurde. Von Serach lesen wir nichts der Gleichen, er ist gegenüber Perez klein, gering, unbedeutend und unedel.
Das Einzige, was dem Leser über Serach in Erinnerung bleibt, ist das Zeichen des Erstgeborenen, der Karmesinfaden. Der nun hat für Serach aber noch weitere Bedeutungen. Zum einen erinnert er ihn daran, dass er als Mensch geboren wurde, schriftlich wurde das festgehalten u.a. in der Genealogie des Matthäus. Kap. 1,3: „Und Juda zeugte Perez und Serach von der Tamar.“ Zum anderen erinnert er Serach daran, dass Perez sein Bruder ist und bleibt; und für diesen gilt es einzustehen.
Nun gehört Serach zu den Stillen im Lande, sein ruhiges Wesen hat er wohl von seiner Mutter geerbt, denn man hört nichts von ihm, man sieht nichts von ihm. Durch die Geduld und Friedfertigkeit seiner Mutter geprägt, gleicht er Jakob, der durch das ruhige stille Wesen der Rebekka gelenkt und geleitet wurde. Wohl dem, der solch eine Mutter hat, die trotz aller Unbilden des Lebens die Dinge mit Sanftmut angeht. Hinter den Kulissen verhalf Rebekka dem Jakob zu seinem Recht, das der Vater mit seinem Urteil bestätigte. Tamar dagegen machte sich auf, auf leisen Sohlen, und kam so zu ihrem Recht, ungeachtet des Geredes, das über sie im Umlauf war. Judas urteilte über Tamar: „Sie ist gerechter als ich.“
Der verheißene Same am Ende der Königslinie
Perez steht an fünfter Stelle in der Genealogie des Messias und sie endet mit Jesus in der 41. und mit dem Christus in der 42. und somit letzten Generation. In Jesus wurde erfüllt, was Gott dem Abraham versprochen hatte. Jesus, der Segen für alle Nationen. Von welcher Art mag der Segen wohl sein? Es ist das ewige Leben, darum heißt es: Jeder der an Jesus glaubt, gleichwie wie die Bibel sagt, der hat ewiges Leben.
Die Verheißung des Segens - Genesis 22,15-18
„Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, dass - weil du dieses getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast - ich dich reichlich segnen und deinen Samen sehr mehren werde, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und dein Same wird besitzen das Tor seiner Feinde; und in deinem Samen (eine Singular-Konstruktion) werden sich segnen alle Nationen der Erde; darum, dass du meiner Stimme gehorcht hast.“
Einundvierzig Generationen später löste Gott sein Versprechen ein. Der Name des Samens, wie wir zuvor sagten, lautet Jesus und in diesem Namen haben sich tatsächlich alle Nationen gesegnet und des Segens wird kein Ende sein. Vom wichtigsten Segen schreibt der Apostel Johannes: „Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat, auf daß wir den Wahrhaftigen kennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohne Jesus Christus, dieser ist der wahrhaftige Gott und (das) ewige Leben. - Das ist der Reichtum, den sowohl Perez als auch Serach schon zu Lebzeiten genießen können.
Serach und Perez haben ewiges Leben! Das muss natürlich erläutert werden. Wir verwenden die Namen der Zwillinge in gleicher Weise für zwei Gruppen, wie es die Bibel auch tut. Dadurch fallen umständliche Beschreibungen weg und der Text wird kompakter, damit befinden wir uns dann aber auch gleich auf der bildlichen Ebene. Wenn wir also sagen, Perez und Serach haben ewiges Leben, dann beziehen wir uns nicht nur auf die Zwillinge selbst, sondern im Speziellen eben auch auf zwei Gruppen, die durch die Namen repräsentiert werden. Und bitte beachtet: Wenn wir von Perez und Serach sprechen, dann reden wir im und zum Kreis der Familie. Um sich Ärger vom Hals zu halten, darf kein falsches Wort fallen, ansonsten hinge der Haussegen schief. Wir haben das bereits bei Esau und Jakob gesehen, über zwanzig Jahre musste Gras über die Sache wachsen, damit der Zorn Esaus verraucht. Und etwa 2000 Jahre brauchte es, dass Juden und Griechen wieder vertrauensvoll miteinander reden. Ja, wir wissen, das tun nicht alle, aber die gehören auch nicht zur Familie. (Oder noch nicht?)
Serachs Armut
Serachs Name bedeutet: ein Aufgehen des Lichts. Was mag das für ein Licht sein? Ist es die Sonne, der Mond oder das Aufgehen eines Sterns? In den Büchern Josua und Richter erfahren wir, welche Art von Licht mit Serach aufgeht. Als Nachfolger von Mose führte Josua das Volk ins Land und erhielt durch Gott ausdrücklich eine Stadt zum Erbteil, in der er dann am Ende seines Lebens auch begraben wurde. Die Stadt heißt im Buch Josua Timnath-Serach und im Buch der Richter wird sie Timnath-Heres genannt. In beiden Fällen bedeutet der Ort ein und dasselbe: Teil der Sonne. Warum wird im Buch Josua der Ort Timnath-Serach und im Buch der Richter Timnath-Heres genannt?
Prophetisch deuten die Namen Serach und Heres auf zwei Zeitabschnitte und weil beide Namen „Teil der Sonne“ bedeuten, erklären wir jetzt die zwei Zeitabschnitte auch an Hand der Sonne. Serach bedeutet: ein Aufgehen des Lichts, gemeint ist damit der Aufgang der Sonne einschließlich ihres steten Anstiegs bis zur Tageshöhe. Nach ihrem Zenit beginnt der zweite Teil des Tages, der vor allem von ihrem steten Niedergang geprägt ist. Die Zeitspanne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird in der Bibel als der Tag des Heils bezeichnet oder, wie der Apostel Paulus im Brief an die Hebräer es formuliert: „Heute“. Paulus schreibt: „Ermuntert euch selbst jeden Tag, solange es heute heißt.“ Heb.3,13a. Und weiter: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört ...“ „ Heute, wenn ihr seine Stimme hört …“ Acht mal verwendet Pauls in diesem Brief das Wort heute (griech.: semeron – σημερον). Mit der achtmaligen Verwendung des Wortes „heute“ wird angezeigt, dass der HERR am Ende dieses Zeitalters mit Israel einen Neuanfang machen will. „Sehet zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet! … der von den Himmeln her redet! Heb.12,25
Beim erstmaligen Durchlesen des Hebräerbriefs glaubt man sich zurückversetzt in die Zeit der Apostel. Und genau dieses Gefühl soll auch aufkommen, um zu erkennen, dass wir uns in naher Zukunft (in Teilen bereits heute schon) in gleichen Umständen befinden. Wie vor 2000 Jahren herrschen wieder die Cäsaren, mitmischen tut der Sanhedrin, sie nennen ihn - Gottes Mittlerin.
Und dennoch bleibt es wahr, vor fast 2000 Jahren ging mit Serach die Sonne auf und damit Gottes Gerechtigkeit, besungen im Lied: Aber die ihn lieben, seien wie die Sonne aufgeht in ihrer Kraft! Richter 5,31b Einst erzählte Joseph seinem Vater und seinen Brüdern von einem Traum. Sonne, Mond und 11 Sterne beugten sich vor ihm nieder. Auf der allegorischen Ebene steht die Sonne für Serach (und Heres, beide bilden jeweils einen Teil der Sonne ab). Sie regiert den Tag, denn dazu hatte Gott sie bestimmt, sie soll auf die Erde leuchten, Genesis 1,14. Das große Licht – die Sonne - zur Beherrschung des Tages.
Die Herrschaft der Sonne ist ungleich der Herrschaft der Könige und Fürsten dieser Erde, denn sie ist eine leise Königin. Als großes Licht regiert sie durch ihre bloße Anwesenheit mit zunehmender Helligkeit und Wärme, dadurch fördert sie das Wachstum fast allen Lebens. Und weil das Aufgehen der Sonne nur durch die persönliche Liebe zum Herrn auch „heute“ Wirklichkeit werden kann, lasst uns unsere Gelindigkeit allen Menschen kundwerden.
Mag man Serach als arm bezeichnen, so bewirkt das Aufgehen seines Lichts einen Reichtum, der mit allem Gold des Königs Salomon niemals aufgewogen werden kann. Und nun entdeckt man etwas Erstaunliches, der Satz: Der Reichere wird dem Ärmeren dienen, erfährt seine Umkehrung. Perez und seine Nachkommen dienten mit seinem Reichtum Serach. In Ewigkeit dient der Reichere Serach vom Himmel her dem auf der Erde wohnenden (relativ ärmeren) Perez.
Serach gehört zur Versammlung der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben ist. Perez ist zwar eine Art von Erstling, aber ein Erstgeborener zweiter Klasse und für die Erde. Er wird mit dem Messias von Jerusalem aus über Erde herrschen, das erklärte Daniel dem König Nebukadnezar: „Gott wird ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört wird, und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen.“ Daniel 3
Und in Daniel 7,18 heißt es in Erweiterung: Aber die Heiligen der höchsten Örter werden das Reich empfangen, und werden das Reich besitzen bis in Ewigkeit, ja, bis die Ewigkeit der Ewigkeiten.
Zusammenfassung
Bei der Geburt der Zwillinge entschied der zeitliche Moment. Serach „reichte die Hand“ und das qualifizierte ihn zum geistlichen Erstgeborenen. Perez mogelte sich an Serach vorbei, doch es war zu spät, Serach war bereits als Erstgeborener markiert, was die Namensgeber aber nicht wahrhaben wollten. Sie ignorierten einfach die fachliche Beurteilung der Hebamme. Dennoch wurde es im Himmel schriftlich festgehalten. Die Erstgeborenen sind und bleiben im Himmel angeschrieben.
Die Mogelei des Perez hat den Riss vertieft und führte dann zum endgültigen Bruch. Geistlich betrachtet, deutet der Bruch eine Trennung an, die sowohl zeitlich als auch räumlich vollzogen werden wird. Vergleichen lässt sich die Trennung mit der Trennung der Wasser im ersten Buch Mose. Beachten wir, dass Gott der Handelnde ist. Und Gott sprach: „Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, und sie scheide die Wasser von den Wassern. Und Gott machte die Ausdehnung und schied die Wasser, die unterhalb der Ausdehnung, von den Wassern, die oberhalb der Ausdehnung sind. Und es ward also. Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel.“ Der Himmel trennt den Erstgeborenen vom Zweitgeborenen, den Serach von Perez.
Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken und Gottes Wege höher als unsere Wege.
Ende des zweiten Teils
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Hier geht es in Kürze zum dritten Teil
Berlin, den 22. Januar 2026
© Copyright H. Randy Rohrer
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